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Ursula DangelmayrKonzentration auf Verhaltensprävention ist ein Fehler

Auf dem bunt gemischten Gesundheitsmarkt brauchen Psychologen Durchsetzungskraft

URSULA DANGELMAYR hat nach dem Studium bei einem großen Finanzdienstleister gearbeitet, dort die Personalentwicklung mit aufgebaut und am Ende einen großen Servicebereich mit 600 Mitarbeitern geleitet. Ihre Kraft in den Aufbau weiterer Callcenter zu stecken, entsprach nicht ihren Vorstellungen, und so wechselte sie nach einer Zusatzausbildung als Gesundheitspsychologin in die Selbstständigkeit. Über ihre Arbeit heute und die dafür zuvor erworbenen Basics wird sie beim „Be-in“-Kongress sprechen.

War der Schritt in die Selbstständigkeit rückblickend die richtige Entscheidung?

Absolut, zu 100 Prozent.

In der IT-Branche machen sich zum Teil Studierende und frisch gebackene Absolventen selbstständig. Kommt das für Psychologinnen und Psychologen z.B. auf Ihrem Gebiet auch in Frage?

Ich würde den Studierenden empfehlen, nach dem Master zunächst unterschiedliche Erfahrungen in abhängiger Beschäftigung zu sammeln. Mit der Berufserfahrung wächst die Glaubwürdigkeit, die man als Freischaffende oder Selbstständige unbedingt braucht; sonst bleiben die Klienten aus. Wenn Ihnen ein Unternehmen seine Führungskräfte zu Trainings anvertraut oder Sie gar bittet, das gesamte Gesundheitsmanagement in der Firma aufzubauen, setzt das großes Vertrauen in Sie als Person und in Ihre Berufserfahrung voraus. Das müssen keine 20 Jahre sein, aber nach dem Master sofort ins kalte Wasser der Selbstständigkeit zu springen, rate ich nicht.

Worin besteht Ihre Arbeit jetzt?

Ich arbeite nach dem von Anne Katrin Matyssek entwickelten Konzept des gesunden Führens, das mir nach dem Lesen ihres Buches sehr schlüssig und auch zu mir passend erschien. Dafür war eine weitere Qualifizierung als Do-care-Trainerin nötig. Inzwischen besteht meine Arbeit zu etwa zwei Dritteln aus diesen Trainings mit dem Schwerpunkt „Gesund führen“. In größeren Unternehmen ist die Nachfrage nach solchen Trainings derzeit relativ groß. Dr. Anne Katrin Matyssek Ist damit sehr bekannt geworden.

Verraten Sie mir noch, was das verbliebene Drittel Ihrer Tätigkeit ausmacht.

Das ist die Gefährdungsbeurteilung. Auf diesem Gebiet kann ich beobachten, wie sich gute Arbeit unter Firmenchefs herumspricht und ich zunehmend angefragt werde, solche Gefährdungsbeurteilungen zu machen. Aber auch auf diesem Feld – obwohl seit 2013 gesetzlich vorgeschrieben – sind meine Auftraggeber vor allem größere Unternehmen.

Was hält kleine und mittlere Betriebe(KMU) davon ab, dem auch politisch gewollten Gesundheitsmanagement in Unternehmen mehr Bedeutung beizumessen?

Manche scheuen die Kosten, manche sind aber auch überzeugt, dass sie ihre überschaubare Firma selbst gut führen können, im Gespräch mit den Mitarbeitern sind, diese und ihre familiären Verhältnisse kennen – kurz gesagt: kein Training für Mitarbeiterführung benötigen. Unter den vielen zu bewältigenden Anforderungen rangiert das Gesundheitsmanagement weiter hinten, hat so etwas wie Stiefkind-Charakter. Wenn überhaupt, dann veranstalten KMU mal einen Gesundheitstag oder initiieren Einzelmaßnahmen, bei denen sie auf Bezuschussung durch Krankenkassen hoffen.

Findet da dann mehr Verhaltens- oder mehr Verhältnisprävention statt?

Ersteres, und das ist absolut unzureichend. Zudem wird damit dem Arbeitnehmer die ganze Verantwortung für seine Gesundheit zugeschoben. Beides wäre nötig und hätte auch stärkere Effekte. Wenn ich Stressmanagement-Trainings mache, höre ich oft von Umstrukturierungen, die nicht wirklich gut funktionieren oder negative Nebenwirkungen haben. Das Unternehmen will aber, dass die Mitarbeiter vor allem lernen, mit neuen Belastungen und Verdichtung von Arbeit irgendwie fertig zu werden. Die Einsicht, dass Veränderungen gemeinsam mit den Mitarbeitern entwickelt und durchgeführt werden müssen, ist oft nicht vorhanden.

Würden Sie junge Leute trotzdem ermutigen, auf dem Gebiet der Gesundheitspsychologie tätig zu werden?

Perspektivisch sehe ich da eine Chance. Aber für den Anfang halte ich Personalauswahl und Personal-Entwicklung für günstiger. Man könnte sagen: Das ist die „Pflicht“ und Gesundheitsmanagement ist die „Kür“. Für alle, die irgendwann unbedingt in die Gesundheitspsychologie wollen, ist die „Plicht“ eine gute Grundlage. So hebt man sich als Psychologie-Master durch Qualität plus Erfahrung auch noch besser ab von den vielen, die nach unterschiedlichsten Studiengängen mit „Gesundheit“ im Titel auf dem Gesundheitsmarkt aufschlagen und unserer Profession quantitativ erhebliche Konkurrenz machen. Darauf werde ich beim „Be-in“-Kongress in meinem Seminar auch eingehen. Es macht ja keinen Sinn die Lage auf dem Arbeitsmarkt schönzufärben.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg beim Kongress.