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Fredi LangGute Chancen für BA- und MA-Absolventen – außer in Richtung Psychotherapie

Mit der Einführung der gestuften Studiengänge haben sich die beruflichen Möglichkeiten von Absolventen eines Studiums der Psychologie erweitert. Wer unter welchen Voraussetzungen wo beruflich eine Chance hat, wird FREDI LANG, Referent für Fachpolitik im BDP, in einem seiner Workshops beim „Be-in“-Kongress darstellen. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

Sie erhalten in der Bundesgeschäftsstelle des BDP immer wieder Anrufe von Studierenden. Wonach fragen diese?

Aktuell geht es vielen um die Psychotherapieausbildung und den dazu vorliegenden Gesetzentwurf. Auch die Frage der Anerkennung von Masterstudiengängen – sowohl im Inland als auch im Ausland erworbenen - spielt häufig eine Rolle. Und dann bewegt Studierende, die demnächst ihren Abschluss machen, welche Chancen sie mit diesem auf verschiedenen Berufsfeldern haben. Im Vorfeld des Kongresses haben die Veranstalter in einer Umfrage Studierende an der SRH danach gefragt, was sie für Antworten vom Kongress erwarten. Ich werde versuchen sie zu geben.

Drängen immer noch so viele Studierende in die klinische oder psychotherapeutische Richtung?

Das eine ist, wo die Studierenden gerne hinwollen und das andere ist, wo sie einen Platz finden. Es gibt weiterhin ein hohes Interesse an klinischen und gesundheitspsychologischen Themen sowie an der Arbeit mit psychisch Erkrankten und mit Kindern und Jugendlichen, insbesondere im Kontext mit Störungen und Belastungen. Aber die Frage war ja, wohin die Absolventen gehen, und da ist m.E. die Zukunft für viele Absolventen außerhalb der Psychotherapie angesiedelt. Die Kassensitze sind vergeben, und es befinden sich bereits viele Approbierte in der Warteschlange. Der Bedarf an dem klinischen Profil ist aus meiner Sicht gedeckt.

Und das, obwohl in den zurückliegenden Jahren viele Psychotherapeuten in Rente gegangen sind?

Ja. Das hat damit zu tun, dass sich den letzten 5 bis 10 Jahren viele für diese Ausbildung entschieden haben. So sind hohe Ausbildungskohorten entstanden. Das kann sich auch wieder ändern. Aber für die jetzigen Studierenden, die in zwei bis Jahren auf dem Arbeitsmarkt auftauchen werden, gilt: die Nachfrage für das klinische Profil in der Psychotherapie ist weitestgehend gedeckt.

Masterabschluss ist nicht gleich Masterabschluss, nicht zuletzt durch die Veränderung der Studienlandschaft, die mit einer starken Differenzierung verbunden war. Was hat das für Konsequenzen?

Diese Entwicklung sollten wir nicht überbewerten. Die Profilbildung hat sich nicht wirklich geändert, nur die Levels. Auch im früheren Diplomstudiengang hat man einen Schwerpunkt gewählt, der im Zeugnis erkennbar war. In der Regel machte man auf diesem Gebiet auch sein Praktikum und schrieb seine Diplomarbeit. So ist das heute mit einem spezialisierten Master auch. Die Passung auf einen Arbeitsplatz ist nach wie vor das entscheidende Kriterium für eine Einstellung. Mit einer Einschränkung: Bei der Masterwahl sollte man sich klarmachen, dass man mit einem Master mit Spezialisierung in nur einem Bereich bereits eine Festlegung in einem gewissen Umfang getroffen hat und die Chancen in allen anderen angrenzenden Bereichen eher geringer sind.

In der Vergangenheit klagten viele Studierende darüber, dass Diagnostik längst nicht an allen Universitäten eine angemessene Rolle spielte. Wie hat sich das entwickelt? Und kann man es an der Bezeichnung des Studiengangs eventuell ablesen?

An dem Namen kann man gar nichts sehen. Universitäten und die Hochschulen mit Universitätsstatus haben in der Regel auch eine gute Methoden- und Diagnostikausbildung. Allerdings gibt es Weiterbildungsstudiengänge oder Mischstudiengänge, in denen das nicht so sein muss, aber das sind Ausnahmen. Bei den privaten Hochschulen und bei spezialisierten Programmen wie z.B. Wirtschaftspsychologie kann es dazu kommen, dass die Diagnostik- und Methodenlehre etwas bescheidener ausfällt. Die Abschlüsse heißen dann manchmal Bachelor- bzw. Master of Arts statt Science. Wenn man – was die die Qualität des Studiengangs betrifft - sicher sein will, muss man die Modulebene genau anschauen.

Gibt es noch Studierende, die keinen Master machen wollen?

Manche wollen es nicht gleich, weil sie erst praktische Erfahrungen sammeln wollen, manche bekommen nicht sofort einen Studienplatz an dem Ort ihrer Wahl. Ich schätze, nur 4 bis 6 Prozent tendieren nicht zu einem Master. Das hat sich geändert, nachdem aus den Folgen der Studienreform Konsequenzen gezogen und Übergangskapazitäten in Höhe von 102 % geschaffen wurden. Vorübergehend hatten Studierende zuvor keine Chance auf einen Masterstudienplatz. Das ist nach meiner Wahrnehmung nicht mehr so – auch durch die privaten Hochschulen und durch Auslandsmaster z.B. in Großbritannien und den Niederlanden.

Wie hat sich der Arbeitsmarkt für Bachelor-Absolventen entwickelt?

Bachelor-Absolventen im Fach Psychologie finden in allen sozialen Bereichen, im Integrationsbereich, im Altenbereich, im Schulbereich, in der Wirtschaftspsychologie und teilweise auch auf dem Feld der Gesundheitspsychologie eine Arbeit. Das sind überwiegend psychologische Assistenztätigkeiten, solche, die eben nicht das Masterniveau erfordern. Da es gar nicht viele Bachelor gibt, die sich bewerben und sie hochwertiger ausgebildet sind, als Absolventen anderer Disziplinen  ist das kein Arbeitsmarktproblem. Man muss nur darauf achten, dass die Stellen nicht gezielt für Psychologen ausgeschrieben werden, da dann ein Master erwartet wird. Für Schulen, Kitas, in der Flüchtlingsbetreuung werden häufig ganz allgemein Absolventen mit Bachelor-Abschlussim sozialwissenschaftlichen Bereich gesucht.

Es gäbe noch viele Fragen, z.B. zum Studium im Ausland, was ja im Falle eines Austritts von Großbritannien aus der EU zumindest dort schwierig werden dürfte, aber dazu und zu weiteren Fragen bieten Sie ja zum Glück noch einen zweiten Workshop ebenfalls am Samstag (30.3.) an. Deshalb beenden wir an dieser Stelle das Gespräch und danken vielmals.