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Monika MüllerPioniere ihres Fachs

MONIKA MÜLLER spricht beim “Be-in“-Kongress über Finanzpsychologie und ihre Anwendungsgebiete

“Money makes the world go around…” heißt es im Refrain des berühmten Musiktitels “Money, Money…” aus dem Musical-Film „Cabaret“. Wenn die Finanzpsychologin Monika Müller über Geld spricht, geht es nicht um Musik, sondern darum, wie Psychologen und Psychotherapeuten von dem Wissen um Geld als Persönlichkeitsspiegel profitieren können und weshalb sich Know-how auf diesem Gebiet unbedingt lohnt. Darüber haben wir mit Monika Müller gesprochen.

Was wird Ihre Botschaft an die Psychologiestudierenden in Heidelberg sein?

Mir ist wichtig, ihnen zu vermitteln, dass Geld uns alle verbindet – Familien, Freunde, Unternehmen, und zwar in allen Lebensbereichen. Und deshalb ist es für Psychologen unverzichtbar, sich mit Geld, Risikobereitschaft und Finanzpsychologie zu beschäftigen.

Sie meinen also, das Thema Geld geht alle Psychologen an, weil es z.B. beim Coaching oder auch in der Psychotherapie eine Rolle spielen könnte?

Genau - als Geld und als Persönlichkeitsspiegel. Es spielt überall eine Rolle. Nehmen wir das Thema Karriere, das Thema Scheidung oder Stress. Häufig geht es (auch) um Geld. Wann und warum Geldprobleme bei dem einen extremen Stress erzeugen, während ein anderer sachlich damit umzugehen vermag, das kann ihnen kein Banker oder Finanzberater erklären, wohl aber jemand, der sich mit Finanzpsychologie beschäftigt hat.

Sollte unter den Kongressteilnehmern einer oder mehrere sein, die durch ihren Vortrag auf den Geschmack kommen und beschließen, Finanzpsychologe zu werden oder dies zumindest als zusätzliche Ausbildung in Erwägung ziehen – wäre das eine Option für einen Berufsanfänger oder was sollte man vorher noch getan haben?

Ich beabsichtige nicht den Aufruf zu starten: „Werdet jetzt alle Finanzpsychologen!“ Ich denke vielmehr, dass auch klinische Psychologen und viele andere über Finanzpsychologie etwas wissen sollten. Wer die Chance hat, damit bereits an der Uni zu beginnen, wie das z. B: an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg möglich ist, der sollte das nutzen. Wer nicht, sollte sich entsprechende Kenntnisse in einer Fortbildung aneignen.

Warum ist das Ihres Erachtens so wichtig?

Viele Menschen leiden, entwickeln Krankheiten, weil sie Stress mit Geld erlebt haben – weil der Vater z.B. seine Firma verloren hat, weil Arbeitslosigkeit und finanzielle Not einen Menschen im nahen Umfeld in die Alkoholsucht geführt haben oder er mit einer größeren Geldanlage, die sein Alter absichern sollte, fürchterlich auf die Nase gefallen ist. In der Reflexion darüber, welche unbewussten Muster die eigene Persönlichkeit steuern und wie ich diese Muster auflösen kann, lassen sich Probleme ausräumen, die manche schon viele Jahre unbewusst mit sich herumtragen. Auch beim Coaching kann man so in manchen Fällen zum eigentlichen, bisher oft übersehenen Kernproblem vordringen. Oder denken Sie an Paare im Dauerstress wegen unterschiedlicher Haltungen zu Geld: Wenn finanzielle Unabhängigkeit mir extrem wichtig ist, werde ich auch in intimen Beziehungen nicht so stressfrei leben können wie das gesund wäre. Auch auf meine Entscheidungen im Berufsleben kann meine Beziehung zu Geld einen positiven oder einen negativen Effekt haben.

Wenn ich Sie richtig verstehe, ist die Beschäftigung oder auch später die Fortbildung im Finanzcoaching also nicht vorrangig oder gar zwingend mit Vorkenntnissen in der Wirtschaftspsychologie verbunden.

Eher im Gegenteil. Die ideale Verbindung wäre aus meiner Sicht eher die mit Persönlichkeitspsychologie, denn Geld ist eine Projektionsfläche für unsere Persönlichkeit. Viele haben gelernt haben, Sehnsüchte, Wünsche und Entwicklungsmöglichkeiten mit Geld zu verbinden. Geld bedeutet Sicherheit, denken andere, wieder andere empfinden, Geld mache frei und entspanne oder umgekehrt: Geld ist Druck, Krise oder Konflikt. Wenn das als ein Entwicklungselement von Persönlichkeit bereits an der Uni berücksichtigt würde, verstünde jeder Student sehr rasch, in wie viele Bereiche die Finanzpsychologie hineinreichen kann – denken wir nur an die systemische oder Entwicklungs-Psychologie oder an klinische und wirtschaftspsychologische Themen. Noch sehe ich da an den Ausbildungsinstituten und auch an vielen Hochschulen einen blinden Fleck.

Sie bilden neben Ihrer Tätigkeit als Finanzpsychologin und Coach auch Menschen auf diesem Gebiet aus. Schaffen Sie sich und ihrem Unternehmen dadurch nicht unliebsame Konkurrenz?

Konkurrenz belebt das Geschäft. Außerdem werden die meisten keine unmittelbaren Konkurrenten, sondern integrieren ihr neu erworbenes Wissen in ihre Tätigkeit.

Ist die Nachfrage denn so groß?

Nachfrage nach dieser Dienstleistung entsteht erst, wenn Menschen davon wissen. Momentan sind Finanzpsychologen immer noch Pioniere, aber genau das kann Mutige ja auch reizen.

Ich habe noch kein Stellenangebot gesehen, in dem ein Finanzpsychologe gesucht wird.

Und ich habe noch von keinem Fall erfahren, in dem ein Bewerber seine Ausbildung auf diesem Gebiet erwähnt und damit nicht Neugier auf dieses Alleinstellungsmerkmal geweckt hat – egal, ob in einer Eheberatungsstelle oder einer Unternehmensberatungsfirma. Bisher hatten viel zu wenige Kollegen überhaupt die Chance einer Ausbildung auf diesem Gebiet.

Sie beschäftigen hin und wieder auch Praktikanten. Warum tun Sie sich das an? Erfahrungsgemäß bedeutet es Mehrarbeit.

Ich halte Praktika – auch aus meiner persönlichen Erfahrung – für sehr sinnvoll, vorausgesetzt, es sind gute Praktikumsstellen, bei denen man praktisch tätig werden und so wichtige Erfahrungen sammeln kann, und zwar nicht beim Kaffee kochen und anderen berufsfremden Tätigkeiten. Unsere Praktikanten lernen einerseits aus der klassischen Psychologie Assessments und Psychometrie kennen, lernen zu verstehen, wie psychologische Informationen für Laien verständlich gemacht werden können. Und anderseits beschäftigen sie sich vom ersten Tag an mit Finanzthemen, wie finanzielle Risikobereitschaft, Teamentwicklung unter Berücksichtigung finanzpsychologischer Elemente, Entscheidungsfindung unter Einbeziehung von Ratio, Intuition, Emotion – immer im Kontext mit Finanzentscheidungen aber immer auch mit der Option, die Vorgehensweise auf andere Gebiete der Psychologie zu übertragen.

Wie lange dauern die Praktika?

Zwischen 6 Wochen und 4 Monaten.

In denen man auch an Projekten mitarbeiten kann?

Die Wahrscheinlichkeit dafür wächst mit der Dauer des Praktikums. Wir versuchen immer, die Studierenden ihrer Neigung und ihren Interessen gemäß in Projekte einzubinden und sie auch mal experimentieren zu lassen.

Nach welchen Kriterien haben Sie ihre bisherigen Praktikanten ausgewählt?

Für mich sind die Kennenlern-Gespräche ausschlaggebend. Wir sind ein kleines Unternehmen. Da ist die Einbindung sehr intensiv und das ist für manche schon eine Herausforderung. Ansonsten bringt aus meiner Sicht jeder, der Psychologie studiert nach dem zweiten oder dritten Semester die nötigen Voraussetzungen mit. Es gibt jedoch nur bestimmte Zeiträume, in denen wir Praktikanten aufnehmen können. Wenn so ein Zeitraum mit den für Praktika vorgesehenen Zeiten an der jeweiligen Uni korrespondiert, ist auch das bereits ein Pluspunkt für Bewerber. Praktika sind ein Experimentierraum zum Vorteil beider Seiten. Die Studierenden lernen viel, wir profitieren von ihren Fragen, von Sichtweisen, von dem, was sie aus dem Studium mitbringen und auch von ihrer Offenheit. Nach zwei Tagen Rumstöbern am Anfang schauen wir, welche Projekte wir gerade haben, welches davon die Studentin/den Studenten besonders interessiert und versuchen dann eine Verknüpfung.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg für Ihr Seminar am Samstag, den 30. März um 11.30 Uhr.